Festschrift 1995

Spielbegraben in Oppen – Haal

Jedes Jahr am letzten Tag der Kirmes begräbt jeder Stadtteil sein Jungenspiel. Während die Einen Strohpuppen verbrennen oder ihrem König ein Grab schaufeln, in das er später gelegt wird, verbrennen wir in Oppen – Haal unsere Strohhüte.

Nach dem letzten Umzug durch unseren Stadtteil am Kirmesdienstag, bei dem auch der Pritschenmeister abgeholt wird, kommt der Zug wie jeden Tag auf dem Zelt an, wo der Kirmesball stattfindet.

So gegen Mitternacht kann man beobachten wie sich auf einmal alle Aktiven des Jungenspiels auf den Weg nach Hause machen, um eine halbe Stunde später völlig verändert wieder das Zelt zu betreten. Die Mädchen haben die langen Kleider gegen bequeme Jeans getauscht und auch die Jungen haben ihre festliche Kleidung zu Hause gelassen.

Es folgen nun noch einige Stunden Tanz, bevor sich, so gegen halb vier am Mittwochmorgen, das Jungenspiel und einige tapfere Gäste in einem langen Trauermarsch zum Kreuzplatz am Haaler Dreieck begeben.

Dort ist schon ein Haufen aus Stroh vorbereitet. Nachdem sich alle Trauergäste eingefunden haben und das Stroh brennt, beginnt der “Priester” mit seiner Trauerrede. Spätestens jetzt hat auch der letzte einen Kloß im Hals, denn wieder ist ein Jahr Kirmes vorbei, bei dem alle viel Spaß hatten.

Am Ende seiner Trauerrede wirft der “Priester” als erster seinen Hut ins Feuer, und fast alle folgen seinem Beispiel.

Sobald das Feuer niedergebrannt ist, begibt sich der Rest der Gesellschaft meist zum Maikönig nach Hause, um dort noch bis in die frühen Morgenstunden weiter zu feiern. Wieder einmal sind sich alle einig: “Et Oppen-Haaler Speel, dat wor et aller schönste”. Doch schon bald wird ein neues, noch schöneres Jungenspiel auferstehen, wie Phönix aus der Asche…

Heiteres und Beschauliches aus 25 Jahren Jungenspiel

Erinnern Sie sich noch, daß …

… 1969 die Oppener Sejjelbäcker anläßlich der 1100 Jahr Feier der Stadt Würselen 1970 wieder ein Jungenspiel auf die Beine stellen wollten! Zur ersten Versammlung am 18.12.1969 kamen nur 9 Maijungen.

… 1970 nach vielen Anlaufschwierigkeiten unter der Regie der Sejjelbäcker wieder ein Spiel durch den Ortsteil zog.

… 1971 durch Schützenkönig Winand Hilden das Königsspiel nach Oppen kam.

… 1972 Sigfried Moll Schützenkönig für den Ortsteil wird.

… 1973 der Zeltwirt die Gema-Gebühren nicht bezahlt. Dies sollte ein Nachspiel haben.

… 1974 die Stadt Würselen 50 Jahre Stadtrechte und das Jungenspiel “5-jähriges” feierte.

Die Sejjelbäcker beteiligten sich unter dem Motto “wie vor 50 Jahren” mit Paaren im Stil der 20er Jahre am Festzug.

… 1975 ein Kirmesabend auf dem Zelt mit Programm gestaltet wird.

… 1976 sich das Spiel jetzt Oppen-Haaler Jungenspiel nennt, und auch gleich durch Rüdiger Wilhelms zum Königsspiel wurde.

Die Gema, strengt wegen Forderungen aus der Kirmes 1973, einen Prozeß gegen das Jungenspiel an.

… 1977 das Festzelt immer noch auf dem Rahsergelände stand.

Der Rechtsstreit mit der Gema nimmt endlich sein Ende. Die Forderungen werden beglichen.

Eine Zwangsvollstreckung des Jungenspiels gegen den Zeltwirt von 1973 bleibt erfolglos.

… 1978 Abschied vom alten Zeltplatz gefeiert wurde, weil der Bau des Kindergartens bevorstand.

Oppen-Haal richtet einen Altennachmittag aus, der überaus schlecht besucht wurde.

… 1979 das Jungenspiel sich als “Maikäfer” mit einer Fußgruppe am Karnevalszug beteiligt.

Im Juni steht das Zelt zum ersten Mal auf dem Haaler-Dreieck.

Das Spiel feiert “10-jähriges”. Die Maijungen müssen noch Zeltwache halten. Dem Zeltwirt fliegt am nächsten Tag der Degen aus dem Faß, weil die durstige Zeltwache wohl nicht richtig angestochen hatte.

Rauchclub, Sejjelbäcker sowie ortsteilansässige Politiker übernehmen ab sofort und in Zukunft den Kassendient im Wechsel.

… 1980 Oppen-Haaler Maibaumpflanzer am Karnevalszug teilnehmen.

Die St. Sebastianus-Schützen schaffen es am Pfingstmontag nicht, den Vogel von der Stange zu schießen.

Am nächsten Morgen ist der Schützenvogel trotzdem nicht mehr im Kasten. Die wildesten Gerüchte machen die Runde. Eingeweihte aus Oppen-Haal können darüber nur lächeln.

Eine Maikönigin bayrischer Herkunft schreitet dem Spiel voran, und macht Ihre Sache sehr gut.

Nach dem “Spiel-Begraben” wird ein Maijunge naß, weil die Stadt Würselen den Dukaten-Brunnen am Markt anschaltet. Wer hält auch schon oben auf dem Brunnen eine Rede?

Nachdem sich der Verkehrsstau auf der Kaiserstraße aufgelöst hat, weil ein Fahnenschwenker nochmal vom Markt zum Parkhotel maschieren wollte, sind die Kirmestage wieder einmal vorbei.

… 1981 fährt ein Karnevalswagen mit dem Motto “verschwundener Schützenvogel” von Haal aus los. Zufall??

Beim Maibaumsetzen findet man 3 Mal eine Versorgungsleitung. Beim Hellwerden schaffen es die Maijungen doch noch den Maibaum zu setzen. Eine Neigung der Birke wird später mit Hilfe einer Kette am Dach Einhalt geboten.

Willi Wilms beschehrt Oppen-Haal das Königsspiel. Dem “Volkskönig” wird Dienstags beim Königsball ein Vierhornschaf geschenkt, welches selbstverständlich vorher mühevoll gewaschen wurde.

Um das Faß beim Schützenkönig zu leeren, benötigt man dann noch 3 Tage.

Nach der Jungenspielfahrt im Herbst zum Phantasialand, fehlt dem Monster in der Geisterbahn ein großer Knochen. Beim anschließenden Grillen in der Eifel stellt man fest, daß doch kein Fleisch mehr dran war.

… 1982 residiert die Maikönigin mangels Wohnsitz in der Haaler-Stube. Einige Maijungen auch. Tag und Nacht, mit Wirt oder ohne, mit Schlüssel oder ohne.

Das Jahr der Polterabende.

Hunderte Luftballons stiegen in den Himmel über dem Rahsergelände.

Tausende Liter Wasser liefen über die Haalerstraße, obwohl der Brautvater gedacht hatte, es wäre eine Karre Mist.

3 Traktoren mit voll beladenen Anhängern rollten nach Heinsberg. Hatte jemand Angst selbst zuviel ausgeteilt zu haben. Pech gehabt Helmut. Für die Oppen-Haaler ist kein Weg zu weit!

… 1983 das Jungenspiel die Schwierigkeiten der ersten Jahre schon lange vergessen hat. Die Beteiligung der Jungendlichen ist beispielhaft.

Der Samstagabend in Oppen-Haal ist für viele Würselener zum “Muß” geworden. Zeltabende mit Programm gehören lange der Vergangenheit an.

Die Philipsophie, die Bevölkerung “Ihre” Kirmes feiern zu lassen hat sich als richtig erwiesen.

Oppen-Haal ist in Würselen bekannt als “Das Spiel mit Herz”.

… 1984 Oppen-Haal zwei Maiköniginnen hatte?! Oppen-Haal und Bissen riefen das gleiche Mädchen zur Maikönigin aus. Die Sache löste eine Menge Wirbel aus und die Lokalpresse berichtete. Beide Spiele fanden eine neue Maikönigin.

Die Fußballmanschaft des Jungenspiels zum 3. Mal Turniersieger wurde. Den Pokal durfte das Spiel behalten.

Franz Kropp sorgte für das Königsspiel.

… 1985 der Pokal von Linden-Neusen zur besten Frühschoppenzeit im Vereinslokal gestohlen wurde. 70 Liter Lösebier wurden später gemeinsam im Stadtgarten vernichtet.

Durch die Teilnahme an der Radiosendung “12 Uhr Mittags” bei RTL wurde man durch ein Unentschieden gegen die DLRG im Radioland bekannt.

… 1987 der Maiknecht 3 Maimägde hatte. Wieder richtet man Dank der Treffsicherheit von Manfred Wirtz ein Königsspiel aus.

Der Pritschemeister versuchte den Schützenhauptmann zu übertönen und die Kapelle Abbey Lane wurde ermals für Kirmes verpflichtet.

… 1989 Franz Kropp erneuert Schützenkönig für den Ortsteil wird.

Bei einer Fahrt nach De Efteling wurde der “folgenschwere” Beschluß gefaßt, im folgenden Jahr nach München zu fahren.

… 1990 erstmals der Maiball anläßlich des 20-jährigen Jubiläums im Rahmen einer Maikirmes im Festzelt gefeiert wurde. Das Jungenspiel fuhr mit Tempo 90 erstmals zum Münchener Oktoberfest; die zwei ausländischen Tramper, die bei der Rückfahrt mitgenommen wurden, fragten sich in was für eine “Horde” sie hineingeraten sind (Oazapft ist!).

Der Markt-Precker Pritschenmeister mußte sich beim Besuch des Oppen-Haaler Zeltes mit einer rot-weiß-blauen Pritsche aushelfen. Hatte er doch seine beim Stadtempfang unglücklicherweise verloren. Wie durch ein Wunder wurde sie nach zwei großzügigen Spielrunden wieder gefunden.

… 1991 das Oppen-Haaler Jungenspiel nach sintflutartigen Regenfällen sich den erstaunten Zuschauern beim großen Festzug als einziges trockenes Spiel präsentierte. Hatte doch Spiel und Kapelle kurzerhand die “Linie 21” besetzt. Folge: Zillertaler Hochzeitsmarsch im Bus. Die Königin kam in einem Taxi unter – DM 9,80 Standgebühr.

… 1992 der Maiball wieder im Festzelt stattfand. Die Veranstaltung etabliert sich. Durch eine Wette zwischen Maijungen und Besucher entsteht die Idee eines “Möchtegern-Spiels”.

Das Spiel erfreut sich auch weiterhin immer mehr der Beliebtheit bei Jungendlichen.

… 1993 das Zelt eine überdimensionale Pritsche schmückt, welche von Maijungen in mehrwöchiger Arbeit gebaut wurde.

Die im Vorjahr geborene Idee des “Möchtegern-Spiel” wird am Kirmesdienstag verwirklicht und findet eine in der Form nicht erwartete große Resonanz.

Den Maijungen des Spiels wird das Diplom “staatlich geprüfte Maibaumsetzer” zuerkannt.

Ab Sonntag nimmt der Maikönig in einem Viaker an den Umzügen teil.

… 1994 Manfred Wirtz Pfingsten erneut seine Treffsicherheit zeigte und Oppen-Haal das Königsspiel beschert.

Das Jungenspiel, mit dem Rekord von fast fünfzig Maipärchen, ist erneut das größte Spiel in Würselen und wurde sogar von “Cheerleadern” umjubelt.

Der “Maikönig in Dauerstellung” wurde von Sonntagmorgen an, ganz klein mit Hut, nicht nur auf Toilette und dem Friedhof steckbrieflich gesucht.

Tausende von Zuschauern sahen beim Fahnenschwenken vor der Kirche, daß auch St. Sebastian sein Herz an Oppen-Haal verloren hat.

Der Umtrunk bei Nellessen war so grandios, daß allen der Abmarsch schwer fiel.