Festschrift 1995

Bitte beachten: Aufgrund der Länge der Festschrift, haben wir sie auf mehrere Seiten aufgeteilt.

Vorwort

Seit nun 25 Jahren bereichert “Unser Jungenspiel” das Kirmesbrauchtum in Würselen. 1970 als Oppener Spiel gegründet, ist das Oppen-Haaler Jungenspiel bereits lange zum festen Bestandteil des Kirmesgeschehens geworden.

Das anstehende Jubiläum gab Anlaß genug Vorbereitungen zu treffen, um mit allen Aktiven, Ehemaligen, Bewohnern der Ortsteile und Freunden des Spiels gebührend zu feiern. Zu feiern in der Art durch die das Oppen-Haaler Jungenspiel so beliebt wurde: Miteinander – ohne Vorgaben und Programmzwänge!

Diese Festschrift versucht 25 Jahre Oppen-Haaler Jungenspiel in Wort und Bild festzuhalten. Zu danken sei deshalb Allen, die Ihren Teil dazu beigetragen haben, daß diese Festschrift jetzt vor uns liegt.

Besonderer Dank gilt auch unseren Sponsoren und Spendern, die durch Ihre großzügigen Zuwendungen die finanzielle Basis für das diesjährige, 25 jährige Jubiläum, gelegt haben.

Wir wünschen Ihnen, sowie allen Gästen und natürlich “Unserem Spiel” tolle Kirmestage und viele schöne Stunden im Festzelt!

Für den Festausschuß: Wolfram Michels
Für das Jungenspiel: Marcel Plum
25 Jahre Oppen-Haaler Jungenspiel (1970-1995) – Festschrift

Grüße von der St. Sebastianus Schützengesellschaft Würselen von 1624

Zum 25-jährigen Jubiläum des Jungenspiels Oppen-Haal entbietet die Schützengesellschaft die herzlichsten Grüße.

Einen der wenigen historischen Hinweise auf das frühe Würselner Jungenspielbrauchtum findet man in der Chronik unserer Gesellschaft. Bereits in den Jahren 1882 und 1892 fanden Schützenfeste in Haal auf einer Wiese des Freiherrn zu Syberg, die von Josef Langohr gepachtet war, statt. Ab 1902 bis 1927 wurde auf dieser Wiese dann der Königsvogelschuß unserer Gesellschaft ausgetragen.

Daraus ist erkennbar, daß die Gesellschaft schon in frühen Jahren ein besonderes Verhältnis zum Ortsteil Oppen-Haal pflegte. Nicht zuletzt haben sich schon immer sehr aktive Schützen aus Oppen-Haal in den Reihen der Gesellschaft befunden, so z.B. die Schützenkönige Winand Hilden (1971), Siegfried Moll (1972), Rüdiger Wilhelms (1976), Willi Willms (1981), Franz Kropp (1984,1989) und Manfred Wirtz (1987,1994). Die St. Sebastianus Schützengesellschaft versteht sich von jeher als ein Bewahrer und Förderer des Jungenspielbrauchtums. Mit Freude stellen die Schützen daher fest, daß besonders in Oppen-Haal junge Leute mit großem Engagement und Liebe die Kirmestradition weiter pflegen und ausbauen.

Gerade in den letzten Jahren hat sich ein äußerst harmonisches Verhältnis zwischen den Schützen und dem Oppen-Haaler Jungenspiel entwickelt, was sich unter anderem in der gelungenen Ausrichtung des gemeinsamen Königsballs widerspiegelt.

Aus dieser Verbundenheit heraus wünscht die Gesellschaft dem Jungenspiel Oppen-Haal bei der Gestaltung seiner Feste auch weiterhin eine glückliche Hand und viel Erfolg.

Eine neue Fahne, eine alte Tradition. Das Selbstverständnis der St.Sebastianus Schützengesellschaft dokumentiert sich in besonderer Weise auf der neuen Traditionsfahne, die von dem Schützen, Architekt, Künstler und überzeugtem Oppen-Haaler Hans Wittl gestaltet wurde. Die Fahne besitzt eine kirchliche und eine weltliche Seite. Die kirchliche Seite zeigt den Hochaltar der Pfarrkirche St. Sebastian, während die weltliche Seite von einem großen Adler, dem Symbol des Königsvogelschusses, beherrscht wird. Daneben finden sich die Fahnen der Stadtteile, für die die Schützen schießen, darunter natürlich auch die von Oppen-Haal. Unterhalb des Adlers sind zwei Wappen, eins mit Hut und Pritsche, das andere mit einem Blumenstrauß, zu sehen, die für das Brauchtum Jungenspiel stehen. Die Schützen waren hoch erfreut, als beim traditionellen Königsvogelschuß am Pfingstmontag letzten Jahres Manfred Wirtz zum neuen König der Gesellschaft wurde und damit nach mehreren Jahren das Königsspiel wieder nach Oppen-Haal ging.

Gründungsprotokoll des Oppen-Haaler Jungenspiels

Liebe Haaler und Oppener Mitbürger!

In diesem Jahr soll für die Stadtteile Haal und Oppen, einem oftmals geäußerten Wunsch zufolge, ein gemeinsames Jungenspiel zustandekommen. Darum bemüht sich seit einiger Zeit ein Kreis, der sich aus Jungen, aus Vereinen, aus einer Reihe von Mitbürgern und aus den Stadtverordneten der benachbarten Ortsteile Haal und Oppen zusammensetzt. Dieser Kreis möchte Jung und alt aufrufen, das Zustandekommen eines gemeinsamen Spiels in den nächsten Wochen und Monaten tatkräftig zu unterstützen.

So sehr wir alle in jedem Jahr an diesem alten Brauch unsere Freude haben, so wenig sollten wir vergessen, daß von Jahr zu Jahr das finanzielle Risiko für die Jungen wächst. In dieser Sorge dürfen wir unsere jungen Leute nicht alleine lassen. Wenn jede Familie mit einem kleinen Beitrag mithelfen würde, müsste das Haal-Oppener Jungenspiel 1976 gelingen.

Wem dieses Brauchtum in besonderer Weise am Herzen liegt, ist eingeladen dem Festausschuss beizutreten. Wir glauben, daß dem Jungenspiel mit einem solchen Ausschuss, der die Bürgschaft der beiden Ortsteile repräsentieren sollte, ein guter Rückhalt gegeben wäre. Es wäre eine schöne Sache, wenn auf diese Weise das Haal-Oppener Jungenspiel von uns allen getragen würde. Bitte helfen sie mit!

Auf den im Saale Schürmann stattfindenden Maiball am 2.05.1976 machen wir sie jetzt bereits aufmerksam.

Mit herzlichem Dank und freundlichem Gruß

H. Bücken P. Klinkenberg J. Ritzen

F. Funken K. Michels M. Rosenbaum

H. Gerling A. Milcher H. G. Schümmer

H. Juchems W. Peltzer E. Schulz

K.J. Kaefer R. Plum

Karl-Josef Kaefer

Erinnerungen an einen Mann, der zuerst das Oppener Jungenspiel, später das Oppen-Haaler Jungenspiel und letztlich die Jungenspiele in der Stadt Würselen verkörperte: Karl-Josef Kaefer, der “Maikäfer” wie er liebevoll ironisch in Würselen genannt wurde.

Wer erinnert sich nicht an die sonore Stimme, die Sonntagsmorgens vor der Kirche St. Sebastian die einzelnen Spiele mit ihrer Spielspitze und vor allem die Fahnenschwenkergruppen ansagte. Wer erinnert sich nicht an den Mann, der sonntagsnachmittags Jahr für Jahr über 20 Jahre lang auf einem viel zu engen Balkon am alten Rathaus eingequetscht die richtige Begeisterung – die er auch selbst empfand – beim Vorbeimarsch der Pärchen, Kapellen und Pritschenkinder zu den tausenden Zuschauern rüberbrachte, die zuschauten und ihm zuhörten – laut genug war er immer (sofern die Anlage funktionierte).

Karl-Josef Kaefer, der über 20 Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiele war, war ein Oppener Urgewächs. Schon von 1955 bis 1960 war Karl-Josef Kaefer Vorsitzender der Oppener Maijungen, die ihn dann 1960 zu ihrem Ehrenvorsitzenden ernannten. In dieser Zeit war er u.a. auch in 1956 Maikönig. Kein Wunder, daß er 1970 mit seinen Freunden von den Oppeter Sejjelbäckern besonders engagiert die Wiederbelebung des Oppener Jungenspiels betrieb. Jungenspielerfahren wie er war, war er bald das Bindeglied zwischen den maisingenden Jungen und den etwas seriöseren Damen und Herren seines Vereins. Bekannt wurde er aber besonders durch sein Auftreten als Conférencier in den ersten Jahren des Oppener Jungenspiels. Dabei war das damals richtige Arbeit. Im Ehrgeiz, mit den Spielen in Morsbach und Bissen konkurieren zu wollen, wurden damals noch Starabende veranstaltet, bei denen neben Profis auch Karl-Josef Kaefer die Ansage machen mußte. Niemand war froher als er, als dann nach der Fusion zum Oppen-Haaler Jungenspiel das heute noch gültige “Spiel mit Herz” ohne jede Fremdauftritte entwickelt wurde.

Dabei war er dem Spiel sehr viel mehr als sein Repräsentant auf dem Podium. Die Pärchen der 70er und 80er Jahre erinnern sich besonders an ihren Karl-Josef, der mit ihnen das Spiel begraben ging, zum Abschluß die Grabrede hielt, dabei einem Pastor zum Verwechseln ähnlich seinen Rock verkehrt herum anzog und bei seinen eigenen Worten wirklich mit echten Tränen weinen konnte, weil wieder ein Spiel, sein Oppen-Haaler Jungenspiel, zu Ende ging.

In den letzten Jahren hatte er etwas weniger Zeit für sein Heimatspiel, die Arbeit für die Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiele forderte immer mehr Zeit und auch Geschicklichkeit. Das insgesamt schwierige Zusammenwachsen der drei Würselener Stadtteile war auch bei den Jungenspielen zu spüren. Vom damaligen Stadtdirektor Albert Cramer angeregt, engagierte Karl-Josef Kaefer sich für den Zusammenschluß der Würselener Jungenspiele und wurde 1973 deren erster Vorsitzender, der er bis zum Jahre 1993 blieb. Das ursprüngliche Ziel, der gemeinsame Festzug aller Würselener Jungenspiele am Würselener Kirmessonntag, war schnell erreicht. Partnerschaften zwischen den verschiedenen Spielen wurden vermittelt. Die Änderung des Zugweges von St. Sebastian in Richtung Parkhotel war die Konsequenz aus einer kleinen Krise der AG, die er meisterte. Nerven merkte man ihm selten an. Aber jeder der ihn kannte, spürte, wenn der Zug vorbei war, wenn der Sonntagabend erfolgreich erreicht war, es gibt einen anderen, einen entspannten, einen wirklich ungehemmt feiern könnenden Karl-Josef Kaefer.

Sein Rückzug vom Vorsitz der AG hat sicherlich etwas mit der langen Zeit seiner Arbeit zu tun. Auslöser war aber auch die Tatsache, daß er zwischen die Mühlsteine der Interessen seines Arbeitgebers Stadt Würselen und denen der verschiedenen Jungenspielen geraten war. Die Terminierung des ersten City-Festes im Mai 93, gleichzeitig mit einigen geplanten Maibällen führte zum Konflikt. Mit einem Kaninchenzuchtverein hatte man seine Jungenspiele verglichen – das war zu viel. Wie so oft im Leben konnte er dann aber noch erleben, daß auch dieser Konflikt völlig überflüssig war. City-Fest und Jungenspiele können sich durchaus gegenseitig begünstigen.

Wir alle, Freunde und Familie wurden im Frühjahr 1994 von seinem Tod überrascht, er, der sein Leben lang ein Maijunge war, er, der immer zu uns Oppen-Haalern gehörte: Er hat wahrlich viel für unser Brauchtum getan – Karl-Josef Kaefer.